ADS/ADHS beim Hund

Erfahrungsaustausch bei Erkrankungen

ADS/ADHS beim Hund

Beitragvon Hope » 13.08.2009 09:04

Ich wurde ja gefragt ob ich mal was dazu schreibe.

Nun versuch ich mal eine Kurzform davon zu fassen.

Ads ist bisher nur beim Menschen so richtig bekannt und eine Sache des Zentralen Nervensystems.
Hier fehlen häufig Botenstoffe zur richtigen verarbeitung von Reizen.

Reize die für uns normal sind und wir nichtmehr bewusst Wahrnehmen, sind für Adhs betroffene völlig anders und
der Reizfilter im Hirn funktioniert nicht so wie unserer.
Laufen wir durch eine Straße schauen wir mal rechts mal links und interessiert uns etwas gucken wir auch mal länger und lesen etwas oä. Adhs betroffene können jedoch ALL diese Reize, nicht ausfiltern und sind von Reizen völlig überfordert.
Man könnte es an einem Straßenbild verdeutlichen, ein Reiz der uns anspricht ist vielleicht eine Leuchtreklame an einer Bushaltestelle. Doch Adhs Betroffene können sich vor Reizen kaum retten, da ist Diese Person und jene Person, Hier eine Leuchtreklame dort ein Schild, da ein Auto und da ein Haus, und ein Baum....
Und das nicht nacheinander sondern "blinkt" förmlich gleichzeitig auf ihn ein.

Bei Hunden kann man es besonders schön beobachten.
Ein Normaler Hund spaziert einen Weg entlang, schnüffelt mal links und mal rechts,
ein Adhs Hund sprintet häufig von einem Reiz zum andern, schnüffelt nicht sondern inhaliert vor unruhe die Gerüche ein.
Sein Kopf und seine Augen können nicht lang auf einem Fleck verharren sondern zucken vom einen zum nächsten Reiz.
Sind nun mehrere Reize gleich stark, kommt es wie auch bei normalen Hunden vorkommt zu einer Reizüberflutung/ übersprungshandlung. Bei Adhs Hunden haben die Übersprungshandlungen nur eine weitaus größere Überhand und geschehen schon in den ruigesten und normalsten Situationen. Da hier ja nicht nur Äußere und sichtbare Reize vorhanden sind, sondern auch Emotionen, Gedanken, Triebe usw.

Adhs Hunde sind häufig nicht wie Kinder auch auf negative Aufmerksamkeit aus, sondern haben meist sogar einen ausgeprägten will to please, sie tun WAS sie können irre schnell und wollen alles so richtig und perfekt wie möglich machen, doch ist das nicht immer so einfach. Umso frustrierter können sie sein, wenn etwas nicht klappt. Das löst wieder emotion aus, frustration, Übersprungshandlugnen und extreme Unruhe aus .

Adhs Hunde scheinen bisher nie wirklich erwachsen zu werden, so kommt es vor das sogar 3jährige Hunde als Junghunde eingeschätzt werden und sich auch so benehmen können, von der Energie und Ungeduld,unruhe...

Es ist schon ein schwieriges Leben für so einen Adhs Hund, denn er kann ohne Medikamente häufig eigentlich nie richtig Hund sein, wie alle anderen. Es ist häufig ein Leben im Stress. Und das nicht nur für den Hund, sondern auch alle beteiligten Hunde und Halter.
Diese müssen eine enorme Geduld und Ruhe mitbringen, doch in erster linie Verständnis. Denn genau hier, wo das Verständnis vom Halter aufhört, fängt das größte Problem und ein Teufelskreislauf eigentlich an, der Halter ist genervt, gestresst und schimpft mit dem Reizüberflutete Hund der eine Reizüberflutung nach der anderen hat und stresst den Hund somit nochmal mehr, der Hund ist frustriert, was wieder Übersprungshandlungen schneller zu lässt und so geht es weiter und weiter.

Wie auchbei Menschen haben Adhs/Ads Betroffene Hunde einige Probleme mehr wie Wahrnehmungsstörungen, Motorische defizite.
Hier kann man schon einiges machen.
(Manchmal könnte man meinen das die Hunde in einer Rosa Seifenblase leben, sie denken nicht vorraus was passiert wenn sie springen, sie sehen einen Reiz und springen einfach, ohne Rücksicht auf Verluste, es sei denn der Verlust ist so offensichtlich groß das es ein größerer Reiz ist...)

Ich beschäftige mich schon lang damit und habe in Zusammenarbeit mit zwei Tierärzten bereits Möglichkeiten gefunden, Adhs/Ads Hunden zu helfen. Wir haben schon einige Medikamente auf die "Liste für Adshunde" bekommen.
Ads ist bisher scheinbar noch recht selten bei Hunden. Dennoch ließen sich scheinbar einige Hunde in Deutschland bereits ausfindig machen die Ads haben könnten oder an einem anderen "defekt oder krankheit" leiden.
Diese versuche ich meist persönlich zu besuchen, da nicht jeder Hund mit vielen Übersprungshandlungen oder unruhe gleich Ads hat.
Hyperaktivität ist nicht gleich ADS und viele Verhaltensweisen sind " einfach unabsichtlich anerziehbar".

Zu meiner Fila, sie legt schon ein richtiges Musterbeispiel dar. Sie kann man neben ein stark ADHS betroffenes Kind setzen und die die liste der Verhaltensweisen und Probleme des einen gilt genau wie die für den anderen.
Und wie es sich für ein schönes Musterbeispiel gehört, ist sie natürlich auf jedes bereits gefundene Medikament ALLERGISCH!


Fragen gern per Pn an mich.
Ich hoff ich hab alles anschaulich erklärt.
Eine richtige Langfassung kann ich gern wem schicken.
Hope
 
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Re: ADS/ADHS beim Hund

Beitragvon ayra » 13.08.2009 09:50

Hallo Liz !
Danke für diese Beschreibung! :blustrau: Ich finde das sehr interessant. :yes:
Wie geht man denn mit einem ADHS Hund um? Sollte man ihn von Reizen eher abschirmen? Hat man eine Chance mit ihnen Konzentration zu "erlernen"? Wie ist das mit Ernährung? Ich kenne Kinder, die auf Zucker insbesondere auf Schokolade sehr deutliche Reaktionen zeigen. Gibt es bei Hunden ähnliches? Es ist nicht so, dass ich Wolle im Verdacht hätte ein ADHS-Hund zu sein, da sie sehr konzentriert arbeitet und auch auf Spaziergängen ganz entspannt und fasziniert von einer Sache schnüffeln kann. Aber ich bin überzeugt, dass ihr Getreide nicht gut tut. Daraufhin reagiert sie schon mit vermehrter Hektik.
Vielleicht gibt es solche Reaktionen bei ADHS Hunden auch bzw. vielleicht sogar extremer?
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Re: ADS/ADHS beim Hund

Beitragvon Hope » 13.08.2009 14:54

Hoher Protein wert kann schon hyperaktivität auslösen, das ist wohl wahr.
ADS ist dadurch aber nicht direkt beeinflussbar, nur halt das Hyperaktivität und unruhe dazu gefügt werden könnte.
Auch andere Unverträglichkeiten oder koffein usw können schon was bewirken.

Gut ist es Situationen möglichst zu umgehen die besondere Probleme für den Hund darstellen.
Marktbesuche oder Tiergeschäfte die Besucht werden zum Beispiel, je nach Hund.
Es gibt Hunde die bereits derart überfordert mit neuen Gassistrecken sind, das sie eine starke Unruhe bekommen
die auch für ihn gefährlich sein könnte, in dem er zu schnell Reizen hinterhergeht, zu weit läuft und er dabei Zäune,Graben usw übersieht...
Man muss auch abwägen ob es einem Wert ist aufgrund eines AUsfluges zum See den Hund so hochpushen will das man möglicherweise Tage oder Wochen lang einen Unruigen Hund hat, oder ob man es lässt und jegliche aufregung unterbindet und
der Hund wenigstens zu hause öfter zur Ruhe kommen kann.

Da hat es auch nichts mit der Prägung zu tun, Hunde können ihr leben lang wöchendlich auf den Markt gegangen sein,
mit besonderer Therapie usw, aber sie haben ja dennoch keine neue Botenstoffe bekommen um das zu verarbeiten was sie sehen, hören, riechen...

Je nach Schweregrad ist es wohl mit der Konzentration und auch je nach Verfassung.
Genau wie beim Kind, an einem Tag geht es besser, in einem Moment geht es.. dann wieder nicht.
Es ist für die Hunde die ich bisher kennen gelernt habe schon möglich Dinge zu lernen.
Gerade Triebe können sehr hilfreich sein, die bringen viele Hunde auch dazu völlig im Trieb konzentriert zu werden.
Zum Beispiel beim Apportieren sich von garnichts aufhalten zu lassen.
Bei Kurzen Kommandos ist es auch wieder einfacher, bei längeren wie längerem Bei Fuß gehen kann sich natürlich auch schneller wieder ein Reiz dazwischen drängen.
Und auch beim Anfang , wenn man ein bestimmtes Kommando möchte kann es sein das der Hund schnell überfordert ist.

Reiz-leckerlie, Reiz-lob, Reiz- ich muss jetzt gleich was machen, Reiz-sie steht da und wartet, Reiz sie guckt. Reiz sie zeigt mir ihren Finger, Reiz in der anderen Hand ist das leckerlie. Kann wieder so einen "Kurzschluss" also übersprungshandlung hervorraufen und selbs das Einfachste SITZ kommt nicht richtig beim Hund an.

Es gibt Dinge die man anwenden kann um den Hund in einem Moment runter zu holen, aber diese ruhe ist meist derart instabil das sie WEN man es überhautp schafft, nur kurz hält.
Die Hunde stehen permanent unter extremer Spannung die man ihnen auch an den Muskeln extrem ansehen kann.
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Re: ADS/ADHS beim Hund

Beitragvon ayra » 14.08.2009 07:30

Ich finde, dass Du die Symptomatik sehr anschaulich beschreibst. Ich kann mir jetzt ganz gut vorstellen, wie sich ein ADS-Hund verhält. Was glaubst Du, wieviele Hunde wohl betroffen sind?
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Re: ADS/ADHS beim Hund

Beitragvon Hope » 14.08.2009 16:48

Das ist noch recht schwer zu sagen.
Doch ich würde es noch als sehr selten bezeichnen.

Ich hoffe auch stark das dies so bleibt.
Genau wie beim Menschen ist Ads vererbbar und das ist natürlich verhängnisvoll.
Hope
 
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Re: ADS/ADHS beim Hund

Beitragvon ayra » 11.06.2013 23:07

Hallo...
Hope musst Du mal per PN anschreiben.
Sie kommt nicht mehr ins Forum. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass sie Dir sehr gerne weiterhilft.
Auch sicher gerne per Mail...

Viel Erfolg und grüß sie schön von mir... :yes:
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Re: ADS/ADHS beim Hund

Beitragvon puppimaus » 29.10.2015 19:30

wie kann ich hope eine nachricht zukommen lassen mit der bitte um nähere infos
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Re: ADS/ADHS beim Hund

Beitragvon ayra » 29.10.2015 21:10

Versuch mal, ob sie auf eine PN antwortet....
Oder du suchst sie mal im Netz mit ihren Hundenamen zB. und dem Stichwort ADS/ADHS beim Hund vielleicht...?
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